Mai

 

Leichte Silberwolken schweben

 

Durch die erst erwärmten Lüfte,

 

Mild, von Schimmer sanft umgeben,

 

Blickt die Sonne durch die Düfte.

 

Leise wallt und drängt die Welle

 

Sich am reichen Ufer hin,

 

Und wie reingewaschen helle,

 

Schwankend hin und her und hin,

 

Spiegelt sich das junge Grün.

 

 

 

Still ist Luft und Lüftchen stille;

 

Was bewegt mir das Gezweige?

 

Schwüle Liebe dieser Fülle,

 

Von den Bäumen durchs Gesträuche.

 

Nun der Blick auf einmal helle,

 

Sieh! der Bübchen Flatterschar,

 

Das bewegt und regt so schnelle,

 

Wie der Morgen sie gebar,

 

Flügelhaft sich Paar und Paar.

 

 

 

aus dem Gedicht Mai von Johann W. von Goethe