Tipps und Termine

 

Wegen der aktuellen Corona Krise fallen alle geplanten Termine aus.

Wir wünschen allen Freunden und Bekannten alles erdenklich Gute.

Kommt gut durch die Zeit!

Für alle Leseratten und Literaturfans hier zwei aktuelle Buchempfehlungen von mir:

 

Die Bagage von Monika Helfer

 

Die österreichische Schriftstellerin Monika Helfer erzählt in ihrem Buch von der Familie ihrer früh verstorbenen Mutter Margarete genannt Grete. Ihre Großeltern Maria und Josef Moosbrugger leben mit ihren 4 Kindern am Rande eines Bergdorfes. Sie sind die Abseitigen, sie sind die Armen, sie sind die Bagage.

Maria ist sehr schön, schöner als erlaubt und als Josef in den ersten Weltkrieg zieht, nimmt das Unheil seinen Lauf. Das 5. Kind Grete (Maria wird noch 2 weitere Kinder bekommen) ist nicht von Josef. Er wird dieses Kind nie ansprechen, nie ansehen, er ignoriert sie so ausschließlich, dass sie selbst an ihrer Existenz zweifelt.

Diese und andere Katastrophen aus dem Leben der Bagage beschreibt die Autorin in einer klaren, fast schon lakonischen Sprache.

Der Roman „Die Bagage“ ist ein außergewöhnliches Buch. Eine ganze Familiensaga wird auf 160 Seiten zusammengefasst und man glaubt einen „dicken Schinken“ gelesen zu haben.

 

Mein Urteil: absolut empfehlenswert!

Sag den Wölfen, ich bin zu Haus von Carol Rifka Brunt

Der Roman „Sag den Wölfen, ich bin zu Hause“ wird aus der Sicht des Teenagers June erzählt. New York in den 80 ern, AIDS ist das Thema des Jahrzehnts, Homophobie und die Angst vor Ansteckung, die Stigmatisierung der AIDS Kranken sind das Thema der amerikanischen Gesellschaft.

Auch Junes Onkel Finn hat AIDS. June liebt ihren Onkel abgöttisch und beide verbindet eine tiefe Freundschaft. Finn nimmt sie ernst. Sie, die anders ist als ihre Altersgenossen, eine Außenseiterin auch in ihrer Familie. Ihre innige Gemeinschaft führt in Junes Familie zu schwelenden Konflikten, besonders mit ihrer Schwester Greta.

Dann stirbt Finn, und June ist völlig allein mit ihrer Trauer, weil niemand ermessen kann, was sie mit Finn verloren hat.

Dann nimmt Toby mit June Kontakt auf. Toby war Finns verschwiegener Partner, der nicht einmal zu Beerdigung kommen durfte. June nimmt die Bitte um ein Treffen nur zögerlich an. Heimlich trifft sie sich mit Toby und muss erkennen, dass Finn nicht nur sie geliebt hat. Sie ist eifersüchtig, öffnet sich Finn aber, weil beide ihren Schmerz jetzt teilen können. Toby war der unsichtbare Teil Finns, den er auf Rücksicht zu Junes Familie immer verschwiegen hat.

Mittlerweile brechen die Konflikte in Junes Familie offen aus und Junes heimliche Treffen bleiben nicht unbemerkt.

Carol Rifka Brunt hat nicht vordergründig einen Roman über AIDS geschrieben. Die Krankheit als Motiv zeigt die verschiedensten Aspekte menschlichen Zusammenlebens. Aspekte wie Toleranz, Missgunst, Eifersucht und familiären Strukturen. Alle Charaktere sind aufwendig gezeichnet. Die Autorin nimmt sich viel Zeit für die seelischen Dilemma ihrer Protagonisten.

Sag den Wölfen, ich bin zu Haus - endet traurig, aber alle Figuren des Romans reifen und wachsen durch die Ereignisse und ihre moralischen Konflikte, so dass man aus der Lektüre dieses Buch vieles für sich selber mitnimmt.

 

Ein tolles Buch!

 

 

Pinnegars Garten von Reginald Arkell

Herbert Pinnegar, von den Junggärtnern des Herrenhauses „Old Herbaceous“ genannt, läßt uns an seinen Erinnerungen teilhaben. Nach sechs Jahrzehnten seines unermüdlichen Schaffens im Garten des Herrenhauses von Lady Charteris, blickt Pinnegar zurück.

Er wurde als Findelkind, eingewickelt in einen alten Unterrock, auf einer Türschwelle abgelegt und von der Frau des Kuhhirten mitfühlend aufgenommen, obwohl sie selbst schon sechs eigene Kinder zu versorgen hatte.

Seine Kindheit verläuft deshalb nicht einfach.

Nur die energische, altjüngferliche Lehrerin entdeckt seine Liebe zur Natur und nährte sein Interesse für Pflanzen, fütterte ihn mit botanischen Kenntnissen über Wiesenblumen und unternahm kleine Exkursionen mit dem hinkenden und schüchternen Kind von zweifelhafter Herkunft.

Bei einem Wiesenblumenwettbewerb erhält er den ersten Preis und hat dort die erste Begegnung mit seiner späteren Gönnerin Lady Charteris.

Als Herbert die Schule beendet ist sie es, die ihm die Anstellung als Gärtnergehilfe für den großen Garten des Herrenhauses verschafft. Er ist ihr auf ewig dankbar, muss er doch nicht, wie die anderen Burschen den Dienst bei den ungeliebten Bauern antreten.

Mit viel Ausdauer, Fingerspitzengefühl, Geduld und Gehorsam besteht er die schwere Lehre unter dem gestrengen Obergärtner, den er beerben wird. Auch hier hat Lady Charteris ihre Finger im Spiel. Sie fördert ihn, er lernt die lateinischen Namen der geliebten Pflanzen und entwickelt sich zu einem wahren Kenner, der die Natur zu lesen weiß und den Garten in ein Paradies verwandelt.

Er und seine Arbeitgeberin schätzen sich gegenseitig sehr. Es kommt allerdings immer zu kleinen, respektvollen Scharmützeln  wegen gärtnerischer Differenzen . Es ist allerdings keine Frage, daß sich der eigenwillige Gärtner immer störrisch durchsetzt.

Der Garten durchlebt mit den Jahren, ebenso wie die Menschen, glückliche und unglückliche Zeiten. Zwei Weltkriege verändern die Gesellschaft und die sozialen Umgangsformen, der Zweite Weltkrieg zwingt gar zum Gemüseanbau in seinem geliebten Blumengarten.

Nun, in hohem Alter, schaut Pinnegar mit besonnener Wehmut zurück und würdigt die Schönheit der Pflanzen, das Farbenwunder der Blüten, die Köstlichkeit von Früchten und das gute Einvernehmen mit Lady Charteris. Der Autor Reginal Arkell nimmt uns mit auf diesen nostalgischen Rückblick in diese dörfliche, kleine Welt, in der jeder und alles um seine Stellung weiß. Trotz der widrigen Umstände seines Standes, ist Herbert Pinnegar ein Mann von stiller Würde.

Der Sprachstil ist charmant altmodisch, Arkell ist wie Pinnegar Jahrgang 1882, augenzwinkernd und mit feiner Ironie.

 

Ein wunderbares, leises Buch nicht nur für Gärtner/innen, sondern für alle, die auch beim lesen einmal „entschleunigen“ wollen.